4. Januar 2020, Tag 6 unserer Reise.
Am Nachmittag kommen wir in Chumphon mit dem Zug an. Mir geht es auch schon wieder besser, sogar meinen Sea Shepherd Pulli habe ich wieder an. Wir haben ein Zimmer in einem kleinen Gästehaus, es ist sauber und hat Klimaanlage, wie wunderbar. Nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf suchen wir uns zu Fuss ein Restaurant zum Abendessen in der Nähe. Heute bitte nicht scharf.
Am nächsten Morgen ziehen wir zu Fuss los das kleine Örtchen Pak Nam zu erkunden, wo unsere Unterkunft ist. Wir wissen wenig über den kleinen Ort, ausser dass von hier in zwei Tagen unser Schnellboot nach Koh Tao abfährt. Ein Blick in den Reiseführer hilft: Es ist vor allem Durchgangsort für Reisen vom Festland nach Koh Tao, jedoch legt hier praktisch niemand einen Stop ein; sehr hilfreich.
Nach wenigen Minuten der erste Tempel, den Ellie wieder so spannend findet, dass wir auf jeden Fall rein müssen.

Auf dem Treppenabsatz wartet diese Buddha Statue auf unseren Besuch.

Ich finde ja die Schildkröte schaut ein bisschen zerknirscht drein, mit dem doch nicht so schlanken Buddha auf dem Rücken.
Oben am Tempel angekommen ziehen wir die Schuhe aus bevor wir eintreten. Das ist offenbar überall in Thailand so, nicht nur bei Tempeln sondern bei so gut wie allen Gebäuden. Etwas ungewohnt für uns. Und im krassen Gegensatz zu den USA, wo man mindestens Hose, Shirt und Schuhe tragen muss um überhaupt bedient zu werden, auch bekannt als „No Shirt, No Shoes, No Service„ – Regel.
Wir treten also barfuss in den Tempel ein. An der Türschwelle sitzt ein Mann, schätzungsweise Mitte dreissig. Er begrüsst uns freundlich und bittet uns einzutreten. Dafür aufzustehen kommt ihm aber nicht in den Sinn. Mitten im Tempelraum, er misst rund acht mal acht Meter, säubert ein Mädchen von etwa vier Jahren spielerisch mit einem Feder-Staubwedel die verschiedenen Figuren. Es ist wohl die Tochter des Mannes.

In einer Ecke gleich neben dem Eingang plappert in gedämpfter Lautstärke eine Talkshow Moderatorin aus einem Flachbildfernseher. Aus Lautsprechern, die an der moderigen Decke angebracht sind tönt gleichzeitig Popmusik. Ellie hört die Musik und fängt prompt an kreuz und quer durch den Tempelraum zu tanzen. Wir versuchen Sie zu bremsem „psch, psch, psch, Ellie langsam! Nicht hier! Später! Im Hotelzimmer!“ Vater und Tochter applaudieren jedoch so begeistert, dass Ellie nicht mehr zu bremsen ist. Für uns ein lösender Moment, es ist offenbar ok wenn kleine Mädchen im Tempel tanzen. Wir beruhigen uns ein bisschen und versuchen Ellie nur noch zu motivieren mit genügend Abstand zu den Figuren zu tanzen. Zum Glück ist sie nach ein paar Minuten müde und hört wieder auf. Sehr erleichtert stellen wir fest, dass nichts kaputt gegangen ist.
Ein bisschen nervös lassen wir es ordentlich klingen in der Spendenbox und verabschieden uns von der kleinen Reinigungskraft und ihren bewegungsfaulen Vater; er steht auch bei der Verabschiedung nicht auf.
Wir schlendern weiter durch das Örtchen, es gibt nicht viel zu sehen. Skurril ist die Uferpromenade in der Nähe des Fähranlegers, sehr in die Jahre gekommen und ausser Strassenhunden sind keine anderen Lebewesen zu sehen. Es ist bewölkt, die Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit machen uns zu schaffen. Ein verlassener Spielplatz mit bestimmt 20 Jahren alten Spielgeräten, die meisten aus Metall und grösstenteils verrostet, wirkt so seltsam auf uns, dass uns fast ein bisschen mulmig zu Mute wird. Eine Kinderschaukel schwingt ganz langsam und leise quietschend im Wind. Diese Szene, wie aus Terminator 2, gibt uns den Rest.
Wir finden in der Nähe eine kleine Hotelbar, essen ein Eis und trinken einen Eistee. Hier ist zwar auch fast nichts los, aber Ellie hat grosse Freude an den ungefähr fünf Kindern der Wirtsfamilie, die sie innerhalb kürzester Zeit um den Finger gewickelt hat. Die blonden Haare und blauen Augen haben eine magische Anziehungskraft, aber Ellie kann die anderen auch ganz schön herumkommandieren.
Das ist so ein Moment, in dem es mir schwer fällt innerhalb so kurzer Zeit umzuschalten von Werwolfpapi, der seine Tochter vor Dämonen auf der postapocalyptischen Uferpromenade beschützt zu Chillpapi, dem es überhaupt nichts ausmacht wenn seine Tochter längers als 30 Sekunden mit den gleichaltrigen Mädchen aus seinem Blickfeld verschwindet.
Ich hoffe ihr habt einen entspannten Tag. Bis zum nächsten Blog.
Sehr schön geschrieben! Danke🥰
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