Feuer

Die nächsten drei Wochen, vom 6. bis zum 27. Januar, verbringen wir auf Koh Tao. Von dieser spannenden Zeit werde ich in mehreren Blogs unterschiedliche Geschichten erzählen. Ich glaube das ist spannender als von vielen Tagen das gleiche zu berichten: Aufstehen, Frühstück, Pool, Mittagessen, Pool, Abendessen. Ja, viele Tage liefen so oder ähnlich ab. Seid aber gespannt, es gab trotzdem viel zu entdecken auf der kleinen Insel.

Jetzt zu der Geschichte von heute: Feuer! Es wird ein bisschen hobby-fotografisch, lasst Euch nicht abschrecken, ihr könnt auch die Bilder anschauen ohne zu lesen.

Nach einem ausgiebigen Mittagschlaf erkunden wir unser Hotel Sairee Cottage uns sind begeistert, neben vielen schönen Dingen ist es vor allem sauber. Am zweiten Abend begeben wir uns auf Erkundungstour den Strand entlang, der jetzt bei Ebbe auch breit genug ist zum Spazieren. Die Wellen sind nicht der Rede wert, sie könnten sich kaum mit den Wellen am Bodensee messen.

Die Dämmerung bricht herein und mein Foto fängt an in der Tasche zu jucken, besonders als wir einen gut fünf Meter hohen Felsen finden der bis ins Meer ragt. Der Granit ist so rund abgeschliffen, keine Chance da hochzuklettern, so schön die Aussicht auch wäre. Also tapsen wir barfuss rund herum durchs Wasser auf die andere Seite. Und da ist nach etwa zwanzig Metern noch ein Felsen, wenn auch nur vier Meter hoch. Leider auch rund. Hinter diesem Felsen ist ein einladendes kleines Restaurant, das Lazy. Klingt sehr gut! Wir gönnen uns eine frische Kokosnuss zum Sonnenuntergang. Die Kokosnüsse werden oben mit einer Machete oder angsteinflössend grossen Messern mit vier bis fünf Hieben aufgeschlagen und gekühlt mit einem Trinkhalm und einem Löffel serviert. Das kalte Kokoswasser erfrischt und danach kann mann das junge sättigende Kokosfleisch mit dem Löffel herauskratzen. Sundowner und Vorspeise sind damit mehr als erledigt. Ellie vertieft sich in den Sand und wir entscheiden uns zum Abendessen zu bleiben.

Von dieser Seite ist der Fels erklimmbar und Ellie hilft mir den Sonnenuntergang von oben aus zu fotografieren. Zu den Sonnenuntergängen aber mehr in einem anderen Blog.

Schon während dem Abendessen tönt aus dem Nachbarlokal laute Musik, es ist eher eine kleine Discothek mit sehr vielen bunten blinkenden Lichtern. Ellie ist nicht mehr zu halten. Nach dem Essen zahle ich also und folge meinen Damen nach neben an. Wir sind fast die einzigen Gäste. Ellie tanz total wild und ausdrucksstark, sie vereinnahmt dabei den ganzen Raum. Barbara und ich schauen uns an so „von mir hat sie das sicher nicht“. Wir sind, mal wieder, total erstaunt über unser Kind. Ich würde viel häufiger Zweifeln ob da nicht vielleicht im Krankenhaus etwas vertauscht wurde, hätte sie nicht diese blauen Augen, die meinen zumindest in der Grundfarbe ähneln.

Aus dem Augenwinkel sehe ich wie am Strand zwei junge Thais anfangen mit Feuerpois zu spielen. Pois sind Kugeln mit einer rund einen halben Meter langen Schnur und einer kleinen Fingerschlaufe am Ende. Gute Artisten können ein, zwei oder mehrere davon gleichzeitig an ihren Händen herumwirbeln. Für Mutige gibt es sie auch als Fackel an einer Kette, das ist in der Dunkelheit der Nacht natürlich viel beeindruckender. Die Szenerie ist dazu der Knaller, Liegestühle im Bogen um den Spielbereich, links und rechts eingefasst von den vier und fünf Meter hohen leicht rosanen Granitfelsen und im Hintergrund ein paar Fahnen und das Meer.

Mein Foto springt aus der Tasche, ich hechte hinterher, wir krallen uns einen Barhocker als provisorisches Stativ und ich mache in den nächsten eineinhalb Stunden ein paar hundert Fotos. Hier sind die besten davon.

Belichtungszeit 0.7 Sek bei Blende f/5.6 und ISO 200

Die Jungs sind sehr gut! Und es tauchen immer mehr von Ihnen auf. Der Barkeeper lehnt sich zu mir rüber und sagt: „Warte, spare deine Batterie, später machen die hier mit sechs Leuten ein richtiges Spektakel.“ Ich nicke anerkennend, leider habe ich keine Zeit ein Getränk zu bestellen oder zu trinken. Also fotografiere ich weiter, ausserdem hab ich eine Ersatzbatterie dabei.

Trotz Barhocker werden die Fotos leider nicht ganz scharf. Na immerhin sind die Lichtspuren schön scharf. Ich probiere aus mit welcher Belichtungszeit ich es schaffe genau eine volle Kreisbewegung ablichten zu können. Immer wenn ich es gerade fast geschafft habe, ändern die Jungs den Radius, mal schwingen sie aus dem Handgelenk, mal aus dem Ellenbogen oder aus der Schulter. Auch die Geschwindigkeit mit der sie die Pois herumwirbeln variieren sie mitunter plötzlich.

Belichtungszeit 0.3 Sek bei Blende f/5.6 und ISO 400

Juhuu, es ist mir gelungen: Genau ein voller Kreis! Und die Bewegung ist auch noch so gleichförmig, man kann fast nicht sehen wo Anfang und Ende ist. Und dann hab ich die Zeiten perfektioniert und kann immer schneller auf die verschiedenen Figuren reagieren. Es entstehen fantastische Muster auf den Fotos!

Belichtungszeit 1 Sek bei Blende f/9.5 und ISO 400

Bisher haben sie sich abgewechselt, doch jetzt fangen sie an zu zweit zu spielen und gemeinsam Figuren und Muster zu machen. Ein paar Feuershows habe ich ja schon gesehen, aber das wird jetzt richtig spannend.

Plötzlich fliegt ein Poi hoch in die Luft. Beim ersten Versuch klappt das mit dem Fangen zwar noch nicht aber es scheint niemanden zu stören.

Belichtungszeit 0.3 Sek bei Blende f/4.5 und ISO 400

Grosse Kreise, nebeneinander stehend, sieht besser aus!

Belichtungszeit 0.7 Sek bei Blende f/6.7 und ISO 400

Später aber klappt das Werfen und Fangen sehr gut, die Fotos davon leider nicht so. Meistens weil die brennenden Pois direkt über uns hinwegfliegen. Da hab ich einfach keine Chance, und ausserdem Herzklopfen.

Barbara und Ellie sind auch gekommen und mit der Bestellung von zwei Getränken steigt auch wieder die Laune des Barkeepers, der mich bisher immer mal wieder ein wenig abschätzig angeschaut hat. Was mach ich da auch, seinen Barhocker besetzen und dann nicht mal eine Alibi-Cola bestellen, Saukerl, pfffff.

Jetzt packen die Jungs Feuerstangen aus, das sind rund einen Meter lange Stangen, in der Mitte einen Griff der nicht brennt. Die beiden Enden sind im Prinzip längliche Fackeln. Da ist viel mehr Feuer in der Hand, die Hitze ist vom Publikum sehr gut zu spüren. Es wird wild herumgewirbelt, alleine, zu zweit und zu dritt. Und dann fangen sie an die Dinger hochzuwerfen, einfach der Hammer. Einen Wurf, oder korrekterweise das wieder Fangen, habe ich gut erwischt.

Belichtungszeit 1 Sek bei Blende f/8.0 und ISO 400

Zurück zu den Pois, hm ok. Oh ha, die Steigerung kommt in Form von Akrobatik. Jetzt steigen diese drahtigen Jungs mit brennenden Feuerbällen in den Händen auf einander hinauf. WOW, da bin ich echt platt. Der Grossteil des Publikums zeigt nicht so viel Begeisterung, vielleicht ist nicht allen klar, dass das gerade nochmal eine ganz andere Schwierigkeitsstufe ist.

Zwischen den Köpfen und Körpern ist kaum Platz die Pois wie gewohnt herum zu wirbeln. Doch da haben die Jungs einen Trick auf Lager, sie schwingen die Pois kurz sehr schnell im kleinen Radius asymmetrisch aber in der gleichen Richtung und lassen dann die Ketten ineinander verzwirbeln. Der Radius wird dabei noch kleiner, die Drehgeschwindigkeit erhöht so somit nochmal enorm. Der Drehimpuls ist stark. Frei gelagert an den Fingerschlaufen drehen die Pois locker lange genug um Menschen-Pyramiden zu bauen.

Belichtungszeit 1/6 Sek bei Blende f/4.0 und ISO 400

Kurze Zeit später zeigen sie eine Pyramide mit den Feuerstangen, wirklich beeindruckend!

Belichtungszeit 1/8 Sek bei Blende f/4.0 und ISO 400

Für Ellie ist das Highlight des Abends selber ein Kettenende mit zwirbelnden Feuerpois halten zu dürfen. Das macht der junge Mann wirklich gut, immerhin braucht er drei bis vier Versuche bis sie sich getraut die Kette alleine zu halten. Zwischendurch geht er zu anderen Gästen, die sich, ganz nach seinem Vorbild, an den zwirbelnden Pois eine Zigarette anstecken lassen. Ist zwar nicht ganz jugendfrei, sieht aber schon cool aus.

Belichtungszeit 1/6 Sek bei Blende f/4.0 und ISO 400

Gegen 22 Uhr ist Ellie so richtig schön müde und wir brechen auf Richtung Bett. Leider zwar deutlich vor dem grossen Finale mit sechs Feuerkünstlern, aber happy baby, happy wife, happy life, oder man kann einfach nicht alles haben. Ausserdem darf ich einen Riesenhaufen Fotos aussortieren, woran mich Barbara mit einen verschmitzten Grinsen erinnert. Ich grinse zurück und trage die tief schlafende Ellie nach hause.

Ja, wir fühlen uns schon sehr wohl hier. Gute Nacht, träumt schön und bis zum nächsten Blog.

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