Eine Geschichte aus Koh Tao, 6. bis 27. Januar.
Am zweiten Tag in Koh Tao checken wir bei der Tauchbasis ein, die zu unserem Hotel gehört. Sie heisst passend Sairee Cottage Diving. Es ist eine 5-Star PADI Tauchbasis und Instructor Development Center. Das sind viele wichtig tönende Worte für: Hier kann man Tauchkurse machen, Tauchlehrer werden oder wie wir, einfach „nur“ Tauchen. Schon nach Kurzem stellt jedoch heraus, dass wir hier eine ganz seltene Ausnahme sind. Ziemlich gute Taucher, die nur zum Spass tauchen und keine Kurse machen und auch nicht machen wollen, wo gibts denn so was? Also auf Koh Tao wohl sehr selten.

Wir entscheiden uns zunächst abwechselnd tauchen zu gehen, die Optionen für Kinderbetreuung sind rar und gefallen uns bisher nicht. Am nächsten Morgen darf ich zuerst Tauchen gehen. Man trifft sich um 07:45 Uhr um das Tauchzeug zu packen und geht dann gemeinsam über den Strand zu einem Long-Tail Boot. Nach knapp fünf Minuten steigen wir um auf ein grosses Holzboot mit zwei Decks, auf dem bestimmt Platz für über 20 Taucher ist. Heute sind wir, die Tauchguides eingerechnet, zum Glück nur rund Zehn.
Nach einer guten Viertelstunde Fahrt beginnen wir uns bereit zu machen zum Tauchen, jeder zieht seinen Anzug an, prüft sein Tauchgerät und nimmt es wie einen Rucksack auf den Rücken. Der mir zugeteilte Tauchpartner beginnt mit dem Buddy Check, bei dem man mit dem Tauchpartner zusammen die Ausrüstung nochmals prüft bevor man ins Wasser geht. Diese Prüfung wird je nach Tauchverband ein bisschen unterschiedlich durchgeführt. Bei PADI zum Beispiel prüft der eine die Ausrüstung des anderen, bei CMAS führt man selbst dem Tauchpartner die voll funktionstüchtige Ausrüstung vor. Meine Tauchpartner beginnt mit holländischem Akzent mir seine Ausrüstung vorzuführen. Mein Taucherherz macht sofort einen Freudensprung, war ich doch in Tübingen lange im Tauchverein, der nach CMAS taucht und ausbildet. CMAS ist sehr verbreitet in Europa, vor allem bei den Tauchvereinen. Und Taucher, die regelmässig zuhause in Seen tauchen sind in der Regel gute Taucher. Ich freue mich auf einen entspannten Tauchgang mit einem guten Tauchpartner.
Der erste Tauchgang ist ganz nett, mit dem Shorty (Neoprenanzug mit kurzen Armen und Beinen) ist das 29 Grad warme Wasser gut auszuhalten, es gibt viele Fische und ein paar Korallen. Besonders beeindruckend ist ein grosser Schwarm Barracudas, der sich vor uns teilt und hinter uns wieder zusammenschliesst. Die Sicht ist im flacheren Bereich ganz gut mir rund 20 Meter, in tieferen Regionen sinkt sie jedoch auf unter fünf Meter. Leider sind wir nach rund 45 Minuten schon wieder zurück auf dem Boot, weil bei zwei Mittauchern in unserer Gruppe die Luft bereits knapp geworden ist. Aber es ist ein wunderbares Gefühl in so warmem Wasser zu tauchen und so viele Fische zu sehen.
In der Pause vor dem zweiten Tauchgang geniesse ich eine Tasse Tee und unterhalte mich mit unserem Tauchguide. Er heisst Gal, ich glaube das ist ein Spitzname, er kommt aus England und ich schätze er ist gut 50 Jahre alt. Er erzählt, dass er selten Taucher hat mit mehr als 50 Tauchgängen, es sei schon ein bisschen Babysitting, aber er mache es gerne und beneide die Tauchlehrer nicht, die bei jedem Tauchgang Übungen mit ihren Schülern machen müssen. Nach einer guten Stunde machen wir uns bereit wieder ins Wasser zu gehen.
Der Zweite Tauchgang geht zu einem Wrack, wieder ein ausgedientes kleineres Kriegsschiff. Dieses wurde absichtlich als Tauchattraktion versenkt. Wir tauchen in klares blaues warmes Wasser ab, das sich jedoch bei etwa 20 Metern grün färbt und trüb wird. Die Sicht reduziert sich auf wenige Meter, wir vier Taucher rücken in den Zweierpärchen (buddy teams) näher zusammen und tauchen dicht hinter dem Guide, so dass wir uns immer gut sehen können und niemand verloren geht. Das wäre zwar nicht schlimm, denn falls man mal seinen Tauchpartner nicht mehr sieht, und ihn nach einer Minute auch nicht mehr findet, taucht man langsam auf und schwimmt zurück zum Boot. Der Tauchgang wäre dann eben vorzeitig beendet und das wäre schade.
Nach drei bis vier Minuten in der trüben Suppe taucht vor uns die Bordwand mit der Reling auf, das ist das seitliche Geländer am Schiff. Wir sind am Heck des Wracks. Wir tauchen ein bisschen höher, so dass wir mit gut zwei Meter Abstand zum Deck und zu Schiffswänden mit der Erkundung des Wracks beginnen können. Man kann gut sehen dass das Schiff erst ein paar Jahre hier liegt, es ist noch so stark mit Korallen bewachsen und die Metallteile sind noch ziemlich intakt. Trotzdem ist es verboten das Wrack zu berühren, sich irgendwo festzuhalten oder sogar darauf zu setzen. Offenbar haben sich in der Vergangenheit vor allem Chinesen gruppenweise auf die Hauptkanone am Bug des Schiffes gesetzt und sich dort fotografieren lassen. Es ist ja nicht so, dass nichts anzufassen nicht einer der wichtigen Punkt im ersten Tauchkurs ist, egal bei welchem Ausbildungsverband. Leider wird das nicht überall gleich ernst genommen.
Wir kommen an der Brücke vorbei. Die Glasscheiben fehlen, vermutlich wurden sie entfernt vor dem Versenken des Schiffes, um nicht einen „Notausgang“ für Taucher zu versperren, die durch das Wrack tauchen. Direkt unter der Decke hinter den Fenstern schwimmen vier Giant Snapper, sie schauen uns fast ein bisschen unglaubwürdig an und verfolgen jede unserer Bewegungen genau. Angst haben keine, da wir mit Abstand zu ihnen tauchen und sie nicht ärgern. Vor der Brücke ist die Hauptkanone auf dem Deck, beeindruckend gross. Auf beiden Seiten sind Sitze und Fusskurbeln um Richtung und Abschusswinkel einzustellen. Der Lauf ragt gerade voraus und schräg nach oben. Ein feiner grüner Algenflaum bedeckt das ganze Geschütz, Korallen hat es hier aber noch keine. Nach ungefähr 25 Minuten seit dem Abtauchen kommen wir am Bug des Schiffes an und beginnen mit dem Aufstieg während wir gemütlich zurück Richtung Boot schwimmen. Gesamttauchzeit sind immerhin gut 50 Minuten, damit kann ich schon besser leben.
Gegen 13:30 Uhr kommen wir mit dem Longtailboot wieder am Strand an, wo Ellie und Barbara auf mich warten. Was für ein schöner Empfang! Wir essen zu Mittag und geniessen den Nachmittag am Pool und Strand. Ellie fährt total auf den Pool ab, aber davon erzähl ich Euch in einem anderen Blog.
Ein paar Tage später, am Samstag, darf ich wieder Tauchen gehen. Heute geht die Tauchausfahrt zum Sail Rock, das soll einer der schönsten Tauchplätze um Koh Tao sein. Er ist ein ganzes Stück weiter weg, das kostet natürlich gleich etwas mehr. Auf der gut zwei stündigen Bootsfahrt habe ich viel Zeit schreiben auf dem Oberdeck unter dem grossen Sonnensegel. Tatsächlich sind sehr viele Fische zu sehen, sehr spannend sind verschiedene Arten von Barracudas. Mit der Sicht verhält es sich leider etwas schlechter als am ersten Tauchtag. Über diese Tauchgänge erzähle ich nicht so detailliert, dafür zeige ich Euch unten ein Video dass Barbara von ihrer Ausfahrt zum Sailrock zwei Wochen später gemacht hat.
Auf der Bootsfahrt von Sail Rock zurück nach Koh Tao sitzen wir wieder auf dem Oberdeck, es gibt etwas zu essen und ein „Dekobierchen“. So wird unter Tauchern das Bier nach dem letzten Tauchgang am Tag genannt. Man unterhält sich über die Tauchgänge, was für spannende Fische oder Korallen gesichtet wurden und es werden Tips und Tricks über das Tauchen ausgetauscht. Mit dem Fahrtwind ist die Hitze in der Badehose gerade so zu ertragen und ich bin nicht der einzige, der nicht merkt dass die Zeit unter der tief stehenden Sonne wie im Flug vergeht. An Sonnenschutz denkt leider keiner, oder wenn ich ehrlich bin denke ich schon daran aber glaube dass die Sonne schon nicht mehr so stark sein wir am Nachmittag um 5 Uhr.
Nun ja, leider falsch gedacht. Zum Glück ist der Sonnenbrand nach zwei Tagen mit viel Aloevera Creme wieder weg und ich um eine Selbsterkenntnis reicher: Gegen die Sonne gewinnt niemand, auch kein Tauch-Hero-Papi.
Die Nächte mit leicht rotem Rücken sind jedenfalls deutlich wärmer als sonst, vielleicht sind dafür die Träume intensiver? Ich hoffe ihr schlafft bis zum nächsten Blog besser als ich.