05:30 Uhr, der Handywecker surrt, Barbara und ich sind sofort hellwach. Wir sind ein bisschen nervös, ob das mit der Fähre klappt, das Ticket hatten wir von zu hause aus mit einer App auf dem Handy gebucht. Ich staune über mich selbst, habe ich mich doch für gut informiert und am Puls der Zeit gehalten, zumindest was das Tickets buchen angeht. Zuhause kaufen wir Zugtickets ja nur noch per App. Irgendwo in meinem Hinterkopf kratzt aber die Erinnerung an das letzte Mal als ich reisen war. Es kommt keine App darin vor. Und Jetzt soll ich einem elektronischen Ticket vertrauen für eine Bootsfahrt mit einem Schnellboot ab einem Hafen, der vor zwei Tagen eher nach verlassenem Fischereihafen aussah?

Am Abend vorher hatten wir entschieden den knappen Kilometer von unserem Gästehaus zum Hafen vielleicht doch nicht früh morgens laufen zu wollen, wir hätten Ellie wohl tragen müssen. Schlau wie wir sind, hatten wir die Wirtin gefragt ob sie uns ein Taxi vorbestellen könne für heute morgen. Sie hatte aber gesagt: „No Ploblem, you come Moning 6:20“. Hm, für das Taxi haben wir also nicht mal eine App, geschweige denn einen Zettel oder irgend etwas schriftliches. Na gut, zur Not können wir ja doch noch laufen, die Fähre fährt ja erst um 7:00.
Ellie dreht sich einmal um und schläft weiter, diagonal, in dem Doppelbett in dem wir zu dritt die letzten drei Nächte geschlafen haben. Ich krieche aus dem Bett und unter den diagonal gespannten Wäscheleinen hindurch, die wir selbst aufgehängt hatten um daran über die letzten zwei Tage eine Maschine Wäsche zu trocknen. Natürlich bleibe ich im noch dunklen Zimmer genau mit dem linken Ohr daran hängen bevor ich es schaffe im Bad Licht zu machen. Na guten Morgen!
06:15 Uhr, wir stehen mit gepackten Taschen und schläfriger Ellie unten auf der Strasse, die Wirtin wartet schon auf uns. Sie begrüsst uns herzlich und streichelt Ellie zum Abschied über die Haare, leider ohne vorher zu fragen. Sie wird darauf hin von Ellie ordentlich angefaucht – zurecht. Wir fragen nach dem Taxi, da nirgends ein Fahrzeug oder ein Fahrer zu sehen ist. Sie deutet auf die andere Strassenseite und meint: „Wait hiii, wait hiii, Taxi come, Taxi come.“ Keine Preisangabe von ihr oder besser eine Preisverhandlung? Hm, sehr seltsam. Sie verschwindet wieder im Haus. Noch seltsamer. Na gut, wir stellen uns also auf die andere Seite der kleinen Strasse.
06:30 Uhr, wir stehen uns die Beine in den Bauch und starren beide die Strasse hinunter um dem Taxi zu winken, das hoffentlich bald kommt. Immer wieder fahren so genannte Trikes vorbei, die genügend Platz hätten uns mitzunehmen. Sie könnten also quasi hier in der Provinz als TukTuk-Taxi benützt werden. Trikes sind Motorroller, meist mit 125 Kubikzentimeter Hubraum und einem grossen Beiwagen. Es sind wohl neben den Rollern ohne Beiwagen die häufigsten Fahrzeuge. Es gibt sie mit Sitzen für Passagiere, mit grosser Ladefläche oder als voll ausgebaute Garküchen. Aber es hält keines davon an.
06:45 Uhr, wir werden sehr ungeduldig. Wir könnten noch laufen, wenn wir uns sehr beeilen. Das wäre aber körperlich und zwischenmenschlich eine nicht leicht zu nehmende Zerreissprobe. Wir könnten auch probieren selbst ein Taxi zu stoppen. Wir probieren also Fahrzeuge zu stoppen die so aussehen, als ob sie uns mitnehmen könnten, vielleicht winken wir falsch, aber es hält keiner an. Dir Wirtin ist mittlerweile wieder aufgetaucht, sie telefoniert und unterhält sich mit ihrer Nachbarin, die immerhin ein Trike hätte. Auf Nachfrage nach dem Taxi, sagt nochmal: „Taxi coming, Taxi coming, wait, wait.“ So ganz ruhig ist sie auch nicht mehr, wir werden leicht panisch.
Ja, Thais haben die Angewohnheit alles zwei mal zu sagen wenn sie englisch sprechen. Das hilft zwar manchmal sie zu verstehen aber jetzt grade treibt es mich eher in den Wahnsinn.
06:55 Uhr, zwischen wütend und total panisch wird uns klar, dass der Zug, oder heute die Fähre, wohl abgefahren ist – ohne uns! In einem letzten Versuch, will ich gerade wieder über die Strasse um die Wirtin oder ihre Nachbarin zu überzeugen, dass sie uns „bitte, bitte“ selbst zum Pier fahren möge, wenn nötig auch mit einem Roller. Plötzlich steuert ein grosser frisierter quitschgrüner Reisebus auf uns zu und bremst. Wir erschrecken! Barbara schnappt Ellie und springt einen Meter von der Bordsteinkante nach hinten, ich hetzte zurück auf den Gehweg. Kurz bevor der Bus vor uns zum Stehen kommt und uns die Sicht versperrt deutet die Wirtin auf den Bus: „juu Taxi, juu Taxi, bye bye, bye bye, thank juu, thank juu!“ Ein freundlicher Busfahrer steigt aus, hilft Barbara und Ellie in den Bus, unsere Taschen und mich buxiert er in die hintere Türe. Die Fahrt kostet nichts.
Im Bus wird mir langsam klar was gelaufen ist. Also immerhin nicht wir. … Nein, im Ernst, die Wirtin kennt wohl die Busfahrer und hat sie gebeten uns mitzunehmen. Der Bus kam wahrscheinlich aus Bangkok, ist über Nacht gefahren und ist gerade auf dem Weg seine Passagiere zur Fähre zu bringen. Es klappt alles ganz reibungslos, die Fähre wartet anstandslos ein paar Minuten bis Alle ihre Tickets gezeigt haben und eingestiegen sind. Ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass man kombinierte Tickets für Bus und Fähre kaufen kann. Das erklärt natürlich den reibungslosen Ablauf.
Vielleicht sollte ich mich doch mehr auf die elektronischen Tickets verlassen und vielleicht auch mal ein Kombiticket buchen anstatt das selber organisieren zu wollen. Oder ich akzeptiere dass ich ein bisschen alt bin? Wirklich? Jetzt schon?

Gerade als wir auslaufen geht die Sonne auf. Die Fähre ist bei Weitem nicht ausgebucht und unter den Passagieren ist sehr gute Stimmung. Es sind alles Touristen, man unterhält sich und manche knüpfen erste Kontakte oder stellen fest, dass sie auf Koh Tao im gleichen Hotel gebucht haben.
Über die Wellenbrecher hinweg sehen wir eine kleine Insel mit Palmen genau gegen die aufgehende Sonne, zum Glück habe ich meinen Foto in der Hand.

Etwa eine halbe Stunde später können wir schon Koh Tao sehen und ich erwische einen jungen Mann wie er Richtung Insel blickt und träumt.

Etwas später sitzen wir im oberen Deck, es ist leider so saukalt im überklimatisierten Inneren des Schiffes, dass die Scheiben anlaufen. Draussen vor den stark getönten Scheiben machen zwei junge Frauen Fotos, ich glaube sie haben keine Ahnung wie lustig dass für uns von innen aussieht.

Überall junge Frauen und Männer, zzzhhh. Wir reisen mit Kind. Immerhin sind wir nicht die einzigen mit Kind. Die Kinderlosen meiden uns aber konsequent. Ich fühle mich ein bisschen ausgeschlossen, habe aber auch wirklich keine Lust mich mit den Eltern von einem Säugling zu unterhalten. Das ist eine unerwartete, leider wohl sehr reale, Situation für mich, an die ich mich jetzt gewöhnen darf.
Nach gut drei stündiger Fahrt kommen wir auf Koh Tao an. Wie befürchtet, ist die ganze Bucht vor dem Hauptstrand, wo auch unser Hotel ist, voll mit grossen und kleineren Booten. Man kann schon von weitem sehen, dass sie viele Tauchflaschen auf den Booten haben.

Das Aussteigen ist trotz der wenigen Passagiere ein völliges durcheinander. Nach 10 Minuten wurden alle Anderen abgeholt oder sind auf ihre gemieteten Roller gestiegen und davon gefahren. Wir haben uns rigoros gegen Taxiangebote gewehrt, schliesslich hat uns unser Hotel angeboten uns abzuholen. Nach einigem hin und her hat Barbara die richtige Person am Telefon und wir werden kurz darauf von einem strahlenden kleinen Thai mit einem Auto abgeholt. Im Hotel angekommen werden wir sehr freundlich begrüsst und das Check-In läuft absolut reibungslos.
Endlich sind wir auf einer Insel, mit einem grossen Seufzer sinken wir zufrieden auf unser etwas kurzes Bett und versuchen das zu geniessen!
Guten Mittagsschlaf!
Er fällt leider aus, weil Ellie unbedingt sofort in den Pool möchte. Aber das erzähle ich Euch in einem anderen Blog. Schlaft gut und bis dahin!
Was für ein Erlebinis😅
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